Rijeka – was blieb von Europas Kulturhauptstadt?
Letzte Aktualisierung am 22.03.2022

Rijeka – was blieb von Europas Kulturhauptstadt?

2020 hätte das Jahr von Rijeka werden sollen – eine Chance, sich unter dem Motto „Hafen der Vielfalt“ der ganzen Welt zu zeigen. Mehr als 1000 Events waren geplant – sehr viele fielen der Pandemie zum Opfer. Trotzdem: Zahlreiche interessante Projekte sind gekommen, um dauerhaft zu bleiben.

Kunst unter freiem Himmel, wie etwa groß dimensionierte Murals (Graffiti) oder Installationen und Skulpturen zeitgenössischer Künstler an den Kvarner Festland- und Inselküsten (Projekt »Lungomare Art«) waren in der pandemiegebremsten Kulturhauptstadt Rijeka möglich und werten den öffentlichen Raum nun dauerhaft auf.

Langfristig gesehen bleibt der quirligen Hafenstadt und ihren Besuchern aber weit mehr. So attestierte die Kulturmanagerin Irena Kregar Segota RIJEKA 2020 »die größte Investition in Kroatiens Kultur seit 1945«, wobei die Restaurierung und Verwandlung des über viele Jahre verwaisten Bencic-Industriekomplexes in ein Kunst- und Kulturviertel sicherlich das wertvollste Erbe des Kulturtitels darstellt.

Er beheimatet nun u. a. das Stadtmuseum in der ehemaligen Zuckerfabrik, der Wiege des Fortschritts im 19. Jhdt. Wer sich für die Geschichte der Stadt und allerlei Kurioses interessiert, wird sich womöglich sehr lange in seinen 30 spannend aufbereiteten Räumen aufhalten. Die einstige Tabakfabrik birgt das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst – ein lebendiger, abwechslungsreich bespielter, familientauglicher Ort. www.muzej-rijeka.hr, www.mmsu.h.

Am begehbaren Wellenbrecher Molo Longo im Stadthafen startet Titos wundersame Staatsyacht »Galeb« ihr 5. Leben als Museum und im Kroatischen Nationaltheater, gleich neben den Markthallen aus altösterreichischen Zeiten, zeigen sich die Deckengemälde von Gustav Klimt frisch restauriert.

Aber auch die unvergleichliche Markt- und Hafenatmosphäre, die beliebte Einkaufspromenade Korzo und die Aussichtsburg Trsat sind einen Besuch wert. Am besten, man lässt sich einfach durch die Stadt treiben. Die sehr lebendige Gastronomieszene mit Cafés, Restaurants, Konobas und Bars ist im Kontext der Kulturhauptstadt noch bunter geworden. Seit 2021 finden Feinschmecker im neu eröffneten Hilton Hotel mit dem Restaurant Nebo nun sogar ein vom Guide Michelin mit Stern ausgezeichnetes Gourmetrestaurant.

Insider-Tipps für Rijeka:

  • Restaurant Nebo im Hilton Rijeka Costabella, Rijekas neues Gourmet-Aushängeschild, in dem der junge Küchenchef Deni Srdoc gleich zum Auftakt einen Michelin-Stern erkochte; Opatijska Ulica 9, www.rijekacostabella.hilton.com
  • Cukarikafe: Kaffee & Törtchen im Vintage-Ambiente; Trg Jurja Klovića 4
  • Bracera: Top Pizza in spannender Atmosphäre; Kružna 12a, www.pizzeria-bracera.com.hr
  • Book Café Dnevni Borovak: Gemütliches Café mit besonderem Flair; Ciottina 12a
  • Boonker: Stylische Kultadresse als Café und Pizzeria in einem ehemaligen Bunker direkt am Hafen; www.boonker.hr
  • Grad – eat, drink & mingle: Lokal mit der berühmten »Kaokakao-Patisserie« und Mittagsgerichten; Riva Boduli 7b
  • Konoba Fiume: Hafenlokal wie aus dem Bilderbuch. Vatroslava Lisinskog 12b
  • Vintage Pub: Direkt in der Burg Trsat, 500 Stufen oberhalb der Innenstadt. Tolle Aussicht über Rijeka.
  • Konoba Tarsa: Geheimtipp in Wohnviertel Trsat am Stadtrand, sehr gute Konobaküche; Josipa Kulfaneka 10, www.tarsa-konoba.com

Wohnen:

  • Hilton Rijeka Costabella, Beach Resort & Spa, neues Luxushotel etwas außerhalb der Stadt direkt am Meer, Top-Ausstattung, exquisite Küche, Gourmet-Restaurant (Michelin Stern); Opatijska Ulica 9, www.rijekacostabella.hilton.com
  • Grand Hotel Bonavia, sehr angenehmes 4-Sterne-Cityhotel in perfekter Innenstadtlage; Dolac 4, www.plavalaguna.com
  • Designhotel Navis, stylisches Gourmethotel in fantastischer Lage an der Uferstraße nach Opatija; www.hotel-navis.hr
  • Boutiquehotel Kukuriku, zauberhaftes Altstadthotel mit Designzimmern und exzellentem Slow Food-Restaurant im 4 km entfernten Bergstädtchen Kastav; www.kukuriku.hr
  • Botel Marina, einfaches, aber sehr originelles schwimmendes Hotel in einem einstigen Fährschiff im Hafen von Rijeka, regelmäßige Musik-Gigs; www.botelmarina.com

3 Fragen zum neuen Museum in der Zuckerfabrik an Velid Dekic

Velid Dekic ist Autor mehrerer Bücher über Rijekas Industrie-, Musik- und Stadtgeschichte und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit im Stadtmuseum.

Das neue Stadtmuseum ist bei Einheimischen sehr beliebt. Was macht es für Touristen interessant?

Der größte barocke Geschäftspalast der Habsburgermonarchie ist mit seinem imposanten Interieur, der szenografisch eindrucksvollen Haupttreppe, den frisch restaurierten Wandveduten und den schönen Reliefs an den Gewölben per se schon beeindruckend.

Als ehemaliges Hauptquartier der Zuckerfabrik markiert er die Industrialisierung der Stadt im positiven Sinne, denn dank dieser Anlage entwickelte sich Rijeka im 19. Jhdt. von einer Hafenstadt mit nur 4000 Einwohnern in eine moderne, lebenswerte Metropole. Eine spannende Geschichte, die in Form von 30 Themen in 30 Räumen entdeckt werden kann.


Welcher dieser Räume ist Ihr persönlicher Favorit?

Ein kleines Zimmer im 2. Stock, in dem das einzige Lebewesen ausgestellt ist: Auf den ersten Blick eine Nachbildung des Männerkopfes der Hauptfassade als Herr über Raum und Mensch.

Ein Trugbild, denn in Wahrheit ist die Zuckerrohrpflanze ihm gegenüber der Star des Raumes, des gesamten Museums. Ohne sie, bzw. ihre Artgenossen aus der Vergangenheit, wäre dieser Palast nicht hier. Die Museums-Crew pflegt die Pflanze entsprechend liebevoll.


Rijekas Stolz ist die Erfindung des Torpedos, die freilich mehrdeutig betrachtet werden kann. Wie sehen Sie das?

Der in Rijeka geborene Giovanni Luppis erfand den Torpedo 1860 zum Schutz seiner Heimat vor Seeangriffen. Er nannte ihn »Wächter der Küste«. Kann man ihm das verübeln?

Für mich zeugt seine Erfindung von der fantastischen Kraft der menschlichen Kreativität. Und die hat viele Gesichter. So könnte man ohne die technischen Lösungen, die uns Torpedos aufzeigen, weder ins All gelangen noch U-Boote unter Wasser steuern. Auch das Bugstrahlruder und der Kurshalter in der Schifffahrt sind »friedliche Nebenwirkungen« der Torpedo-Erfindung.

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